Entdarmleiden / Hämorriden
Hämorriden? Die beruhigende Nachricht vorweg.
Hämorriden sind nichts Bösartiges, aber sie sind unangenehm und bereiten Beschwerden. Ihre Ausprägung kann im Laufe der Zeit zunehmen, weshalb sie unbedingt frühzeitig behandelt werden müssen. Erste typische Anzeichen für Hämorriden sind hellrotes Blut im Stuhl, Blutspuren am Toilettenpapier oder in der Unterwäsche.
Hämorriden - was verbirgt sich hinter diesem schwierigen Namen?
Das Wort "Hämorrhoiden " kommt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als "Blutfluß ". Die Hämorriden bilden in der Schleimhaut des unteren Enddarmes ein dichtes Gefäßpolster, das als Schwellkörper dient. Zusammen mit dem inneren und dem äußeren Schließmuskel des Afters hat dieses Gefäßgeflecht die Aufgabe, den Darm nach außen hin abzudichten. Es liegt etwa 3-4 cm oberhalb des Afters (lateinisch Anus) im Analkanal und ist bei einer Untersuchung mit dem Finger normalerweise nicht tastbar.
Vom Krankheitsbild "Hämorriden" spricht die Medizinische Wissenschaft erst dann, wenn sich in diesem Gefäßpolster das Blut staut und nicht mehr ungestört abfließen kann. Die Folge: Die kleinen arteriellen Blutgefäße des Schwellkörpers, die sauerstoffreiches und daher helles Blut transportieren, erweitern sich und bilden - meist an typischen Stellen knotenartige Vorwölbungen der Schleimhaut.
Entwicklungsstadien der Hämorriden so werden sie unterschieden
Bei den meisten Patienten bereiten Hämorriden anfangs wenig Beschwerden. Man nimmt sie oft erst zur Kenntnis, wenn Spuren von hellem Blut auf dem Stuhl zu sehen sind. Brennen, Nässen, Juckreiz und das Gefühl, dass der Darm am Ende des Stuhlgangs nicht vollständig entleert ist (Druckgefühl) können weitere Anzeichen für Hämorriden sein. Die Ärzteschaft unterscheidet in der Entwicklung von Hämorriden vier Stadien:
In diesem Stadium sind Hämorriden äußerlich noch nicht sicht- und tastbar. Man kann sie nur mit dem Proktoskop, einem Untersuchungsgerät, das in den Darm eingeführt wird, als leichte Vorwölbungen im Analkanal sehen. Außer gelegentlichen hellroten Blutungen verursachen sie in diesem Stadium meist keine Beschwerden.
Vergrößern sich die Hämorridalknoten weiter (Hämorriden "2. Grades" können sie bei der Darmentleerung kurzfristig aus der Afteröffnung gedrückt ("Vorfall") und damit sicht- und tastbar werden. In diesem Stadium ziehen sie sich jedoch meistens spontan wieder zurück. Der Patient hat das Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung, was zu noch längeren Sitzungen auf der Toilette mit anhaltendem Pressen Anlaß gibt, wodurch das Leiden wiederum verschlimmert wird. Es treten bereits die typischen Beschwerden wie Brennen, Juckreiz und Blutungen auf.
Hämorriden dieses Stadiums neigen nicht nur beim Stuhlgang, sondern auch bei körperlicher Belastung zum Vorfall. Meist bleiben sie ständig sicht- und tastbar, können aber noch zurück gedrückt werden (die Medizin spricht von "reponieren"). Hämorriden "3. Grades" können erhebliche Schmerzen und Beschwerden verursachen. Durch den Schleimhautvorfall kommt es zu Nässen und Schleimabgang.
Bei Hämorriden "4. Grades" liegen die roten Schleimhautvorwölbungen meist dauernd vor dem äußeren Afterrand. Neben Beschwerden wie Nässen, Juckreiz und Schmerzen kommt oft hinzu, dass der Stuhl nicht mehr gehalten werden kann (Stuhlinkontinenz).
Was ist die Ursache?
Hämorriden gelten als Zivilisationskrankheit: Ungesunde Ernährungsgewohnheiten mit wenig Ballaststoffen, zu geringe Trinkmengen, eine sitzende Tätigkeit verbunden mit Bewegungsmangel, Pressen beim Stuhlgang (harter Stuhl) und eine angeborene oder erworbene Bindegewebsschwäche tragen zur Entstehung von Hämorriden bei. Hinzu kommt die häufige Unterdrückung des natürlichen Stuhldrangs. Dies führt auf Dauer zu Verstopfung und schließlich zur Gewöhnung an Abführmittel - ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.
Was ist typisch für Hämorridalleiden?
Typische Hämorriden-Symptome sind Juckreiz, Brennen und Nässen, Nachschmieren von Stuhl, hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhl und am Toilettenpapier bzw. in der Unterwäsche oder auch ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung. Meist kommen mehrere Symptome zusammen, die für die Betroffenen sehr unangenehm sind und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen können. Wie viele Menschen in der Bundesrepublik solche Beschwerden haben, ist nicht genau bekannt. Es wird vermutet, dass jeder zweite über 30-Jährige gelegentlich oder häufiger an Hämorridalbeschwerden leidet. Sicher ist, dass ein beachtlicher Anteil der älteren Menschen unter Hämorridalbeschwerden leidet.
Nicht immer sind es Hämorriden...
Wenn es im Analbereich schmerzt, juckt oder blutet müssen nicht immer Hämorriden die Ursache sein: Die Haut rund um den Darmausgang ist sehr empfindlich. Es kommt leicht zu Reizungen, Verletzungen oder Entzündungen. So kann z.B. auch eine Analfissur entstehen: Darunter versteht man einen tiefen Einriss oder ein Geschwür der Analschleimhaut, die sich mit der Zeit entzünden können. Die Fissur kann sehr schmerzhaft sein, weshalb der Spannungszustand des Schließmuskels erhöht ist (Schließmuskelkrampf). Auch ist sie häufig von geringen Blutungen begleitet. Peri- Analekzeme (entzündliche Hauterkrankung im Bereich des Afters), und Marisken (harmlose knotige Hautläppchen) können sich ebenfalls im Analbereich bilden. Bei häufiger auftretenden oder anhaltenden Beschwerden im Analbereich sollten Sie unbedingt Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt aufsuchen. Hinter diesen Symptomen könnte sich auch eine ernste Erkrankung verbergen, was allerdings sehr selten ist. Nur Ihr Arzt kann diesen Verdacht ausräumen. Möglicherweise überweist er Sie an einen sogenannten Proktologen, einen Facharzt für (Mast-)Darmerkrankungen.
Was geschieht bei der ärztlichen Untersuchung?
"War das alles?" fragen viele Patienten erleichtert, nachdem die Untersuchung viel harmloser ablief, als sie befürchtet hatten. Wenn man vorher weiß, was einen beim Arztbesuch erwartet, ist alles nur noch halb so schlimm. Bevor die Ärztin bzw. der Arzt mit der Untersuchung beginnt, ist eine Darmreinigung notwendig. Sie bekommen daher eine Darmspülung oder ein Abführmittel. Nach dem Gang zur Toilette legt sich der Patient mit entblößtem Unterkörper auf die Untersuchungsliege. Ihnen wird erklärt, wie Sie sich am günstigsten hinlegen
Mit dem Finger wird dann vorsichtig erst die äußere Afterumgebung und dann der Analkanal abgetastet. Bleiben Sie dabei ganz locker. Je weniger Sie sich verkrampfen, desto schneller und schmerzloser ist die Untersuchung. Falls anschließend noch eine instrumentelle Kontrolle notwendig sein sollte, werden Sie darüber informiert. Manchen Patienten ist diese Untersuchung peinlich. In der ärztlichen Praxis handelt es sich jedoch um eine Routineuntersuchung. Nur wenn das genaue Bild Ihrer Erkrankung bekannt ist, wird auch die geeignete Behandlung eingeleitet werden können. Bitte denken Sie daran: Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt will Ihnen helfen - und daran ist überhaupt nichts Peinliches!
Sie können selbst zur erfolgreichen Behandlung beitragen
Eine Lebensweise mit ballaststoffarmer Ernährung und wenig Bewegung kann das Entstehen von Hämorriden begünstigen. Sie ist jedoch in den meisten Fällen nicht die alleinige Ursache. Wenn Sie Ihre ungesunden Lebensgewohnheiten ändern, ist dies der erste Schritt zur Vorbeugung und Besserung Ihrer Hämorridalbeschwerden.
Hämorriden-Vorbeugung durch richtige Ernährung
Sicher kennen Sie das Sprichwort: "Du bist, was Du ißt." Das trifft in übertragenem Sinn auch für die Entstehung von Hämorriden zu. Zwischen Ernährung und Hämorriden besteht - so erstaunlich das auf den ersten Blick erscheinen mag - ein enger Zusammenhang. Bei Hämorridenbeschwerden sollte alles dafür getan werden, dass der Stuhlgang auf natürliche Art und Weise gefördert und der Darm gesund erhalten wird. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, die zudem fettarm und nicht zu scharf gewürzt sein sollte, sorgt für eine regelmäßige Darmentleerung, weich geformte Stühle und vermindert so Reizungen der Analschleimhaut.
Überprüfen Sie Ihren Speisezettel
Sehr empfehlenswert ist ein Frühstück mit Frischkornmüsli und Vollkornbrot. Rohkostsalate aller Art sollten täglich auf den Tisch kommen. Auch Milchprodukte wie Buttermilch, Quark, Joghurt und Käse sollten zu Ihren bevorzugten Lebensmitteln gehören. Genießen Sie zum Nachtisch und zwischendurch viel frisches Obst* und verzichten Sie dafür auf Weißbrot, Süßigkeiten, Sahnetorte und Kuchen. Sorgen Sie täglich für ausreichende Trinkmengen (2-3 Liter Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertees), den Genuss von Alkohol und Kaffee sollten Sie einschränken. Bei stopfenden Nahrungs- und Genussmitteln wie Schokolade, Coca Cola, Kakao und schwarzem Tee sollten Sie Zurückhaltung üben. Auch stark blähende Speisen wie Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Kohl usw. sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen.
*Vorsicht bei Zitrusfrüchten: Sie können zu Reizungen führen.
Hygiene ist mehr als nur Händewaschen
Hygiene beginnt schon bei der Auswahl der Unterwäsche. Als Faustregel gilt: Nur 100%ige Baumwolle ist 100%ig richtig für Sie. Im Gegensatz zu Kunstfasern ist Baumwolle besonders hautfreundlich, atmungsaktiv und ermöglicht eine ausreichende Schweißaufnahme. Die richtige Analhygiene hilft, Beschwerden wie Schmerzen, Brennen und Juckreiz zu lindern. Deshalb sollten Sie den Analbereich nach jedem Stuhlgang vorsichtig mit lauwarmem Wasser säubern. Benutzen Sie dazu entweder einen Einmalwaschlappen, einen dicken Wattebausch oder extra weiches Toilettenpapier. Obligat ist aber das anschließende sorgfältige Abtrocknen (nicht rubbeln, nicht reiben, nur vorsichtig trocken tupfen)! Bei starken Schmerzen oder unerträglichem Juckreiz bringt eine Salben- bzw. Cremezubereitung oder auch Zäpfchen mit einem lokalem Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) z.B. Lidocain häufig (vorübergehende) Linderung.
Regelmäßige Verdauung ist wichtig
Viele Menschen leiden unter Verdauungsbeschwerden (Verstopfung). Wenn Sie davon betroffen sind, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Vermeiden Sie die Anwendung von Abführmitteln. Sie reizen den Darm, führen zu Darmträgheit und auf Dauer zu immer stärkeren Beschwerden. Mit viel Bewegung, einer konsequenten Umstellung der Ernährung und ein bisschen Geduld werden Sie es schaffen, auf ganz natürliche Weise eine regelmäßige Verdauung zu erreichen. Es ist nicht erforderlich, den Stuhlgang täglich zu erzwingen. Dagegen sollte man auftretenden Stuhldrang auch beim spannendsten Fernsehfilm, bei wichtigen Besprechungen oder auf langen Autofahrten nicht unterdrücken, sondern nach Möglichkeit die nächste Toilette aufsuchen. Je länger der Stuhl im Darm bleibt, desto fester wird er, und um so schmerzhafter ist die Darmentleerung. Starkes Pressen und vor allem das sogenannte Nachpressen bei zu festem Stuhl kann die Ausprägung einer Hämorridalerkrankung verstärken und die Verletzungs- und Blutungsgefahr der Hämorridal- Gefäße erhöhen.
Bequemlichkeit ist nichts für Hämorriden
Autositz, Fernsehsessel und Bürostuhl sind wahre Förderer von Hämorridal- Beschwerden. Bequemlichkeit ist aller Leiden Anfang. Hämorriden muss man Beine machen. Laufen, Wandern, Gymnastik, Schwimmen oder Radfahren sind ein guter körperlicher Ausgleich. Joggen, Tennis und Springen dagegen nicht, da hier der Beckenboden übermäßig belastet wird und die Beschwerden dadurch zunehmen können. Benutzen Sie die Treppe statt den Lift, erledigen Sie kleine Besorgungen zu Fuß und nicht mit dem Auto. Verschaffen Sie sich zwischendurch soviel Bewegung wie möglich. Selbst im Sitzen können Sie trainieren: Pressen Sie den Schließmuskel fest zusammen als ob Sie den Stuhlgang unbedingt verhindern wollten. Zählen Sie bis 10, und lassen Sie danach wieder locker. Wiederholen Sie diese Übung 30-40mal, möglichst mehrmals täglich. Dieses Training können Sie völlig unauffällig überall durchführen. Der Erfolg stellt sich allerdings erst nach Wochen ein, deshalb ist ein regelmäßiges Langzeittraining wichtig.



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